Alte Ilmenau und -Kanal

Das Problem

Die Ilmenauniederung, durchzogen von ehemaligen Elbarmen, beherbergt heute große Seen – stille Zeugen vergangener Naturlandschaften. Der Bau von Elbdeichen im Laufe der Jahrhunderte verringerte die Überflutungen durch die Elbe, während die Winsener Marsch weiterhin den Gezeiten ausgesetzt blieb. Bereits im 12. Jahrhundert ließ Heinrich der Löwe Deiche errichten, um neues Land für Siedlungen und Ackerbau zu gewinnen. Damit griff er jedoch tief in das natürliche Wasserlaufsystem ein. Die Abdeichung der Flussarme im 15. Jahrhundert führte schließlich zu häufigeren Hochwassern der Ilmenau – Probleme, die auch durch die spätere Verlegung ihrer Mündung nicht behoben werden konnten.

Land unter…in der Winsener Marsch

Über viele Jahrhunderte waren die Bewohner der Elbmarsch den Launen des Wassers ausgeliefert. Alte Aufzeichnungen berichten von verheerenden Überschwemmungen, insbesondere während der Sturmfluten. Die Winsener Marsch war dabei besonders betroffen: Deichbrüche und Wassermassen infolge von Schneeschmelze oder starken Regenfällen setzten das Land regelmäßig unter Wasser. Nach solchen Fluten führten Übersandung der Böden und Streitigkeiten über die Wasserläufe zu erheblichen Schwierigkeiten in der Landwirtschaft und häufigen Ernteausfällen.

Sturmfluten bedrohten zwischen Oktober und April Leben, Eigentum und Infrastruktur, wobei aufgeweichte Wege die Regionen oft wochenlang isolierten. Diese historischen Herausforderungen verdeutlichen die enge Beziehung zwischen den Menschen der Elbmarsch und ihrem Kampf gegen die Naturgewalten, eine Auseinandersetzung, die das Land und seine Bewohner über Jahrhunderte prägte.

Pläne und Umsetzung

Bereits im Jahr 1624 entstand die Idee, hinter den Deichen ein dauerhaft wasserfreies Gebiet zu schaffen und den Lauf der Ilmenau zu regulieren. Doch diese Pläne blieben über Jahrhunderte hinweg unrealisiert. Erst im 19. Jahrhundert wurden drei bedeutende Konzepte entwickelt, um die Probleme der Ilmenauniederung zu lösen.

Das sogenannte meyersche Projekt sah eine Umleitung der Ilmenau vor. Wegen der zu erwartenden Versandung, der enormen Kosten und des Widerstands der örtlichen Vogteien wurde dieser Plan jedoch skeptisch beurteilt. Ein zweiter Vorschlag schlug vor, die Ilmenaumündung mit einem Staudamm zu schließen und das Wasser künstlich zu heben – ein Vorhaben, das sich sowohl technisch als auch finanziell als undurchführbar erwies.

Der dritte Entwurf, ausgearbeitet von Johann Heinrich Blohm und später weiterentwickelt von August Heß, zielte darauf ab, durch den Bau eines neuen Deiches von Wittorf bis Haue und die Regulierung der Ilmenau eine nachhaltige Verbesserung des Gebietes zu erreichen.

Heß’ Plan konzentrierte sich insbesondere darauf, Überschwemmungen der Winsener Marsch bei Hochwasser der Elbe durch die Verbesserung der natürlichen Vorflut und den Ausbau der künstlichen Entwässerung zu verhindern. Zu diesem Zweck wurden zwei Wasserverbände gegründet, die die Hauptläufe verwalteten und Rückstaudeiche errichteten, um bei geschlossenen Schleusen das Wasser zurückzuhalten. Außerdem war ein neuer Ilmenaukanal vorgesehen, der den Schiffsweg verkürzen und für größere Schiffe befahrbar machen sollte.

Umsetzung und Ergebnisse

Im Jahr 1882 schlossen sich die Grundeigentümer zur Wasser-Genossenschaft der Ilmenau-Niederung zusammen. Nach langen Verhandlungen wurde 1886 in einer Versammlung beschlossen, das Projekt nach den Plänen von Heß zu verwirklichen. Im selben Jahr erfolgte der erste Spatenstich, und bereits 1887 wurde das neu entstehende Meliorationsgebiet von hochrangigen Gästen besichtigt.

Die offizielle Eröffnung des Kanals fand 1888 statt. Doch schon 1889 führten Brüche an den Trennungsdämmen zu Problemen in der Schifffahrt. Erst der Bau zusätzlicher Schleusen und Wehre in den 1890er-Jahren ermöglichte eine stabile Wasserhaltung und machte den Kanal schließlich auch für größere Schiffe nutzbar. Bis in die 1930er-Jahre wurden weitere Maßnahmen ergriffen, um die Region zuverlässig vor Hochwasser zu schützen und die Schifffahrt zu verbessern.

Ilmenauverlauf bis 1888

Seit 1888 fließt das Wasser der Ilmenau durch den Ilmenau-Kanal. Die frühere Verbindung in Richtung Horburg wurde unterbrochen; heute führt nur noch die Neetze durch das alte Ilmenaubett und mündet bei Fahrenholz in den Kanal.

 

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